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Was wir von den Vereinigten Staaten heute noch lernen können

Aktuell drängt sich der Eindruck auf, dass die USA kein wirkliches Interesse an dem Thema Nachhaltigkeit haben. So sind die Vereinigen Staaten aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten und ihr Präsident macht unmissverständlich deutlich, dass Amerikas Interessen zuerst kommen. Doch was kommt dann?

Versicherungen denken in längeren Zeithorizonten, als US-Präsidenten. Daher lohnt ein Blick über den Teich in die US-amerikanische Versicherungswelt. Amerikaner haben ein gänzlich anderes Selbstverständnis von sich, als die Menschen hierzulande. Während die Menschen in Deutschland viele Aufgaben in Staates Verantwortung sehen, sind die Amerikaner davon überzeugt sehr selbstbestimmt und eigenverantwortlich handeln zu müssen. Wenn man weiß, dass auf dem ‚Peoples Climate March’ im November 2014 mehr als 400000 Menschen demonstrierten, so sucht man hierzulande nach vergleichbaren Protestbekundungen. Dazu ein kleiner Witz:

„Zwei Männer sitzen mit ihrer Bierflasche auf einem Sofa vor einem großen Flachbild- Fernseher und schauen die Sportschau. Fragt der eine den anderen: »Na, was machst du für den Klimaschutz?« Sagt der andere: »Ich wähl` die Grünen.“

Zwei Dimensionen stecken in der Pointe. Zum einen die Delegierung des Problems an die Politik und zum anderen der Glaube des Sportbegeisterten, dass die Wahl einer Partei eine unmittelbare Auswirkung hätte.

Nicht wenige Amerikaner leugnen den Klimawandel; viele von Ihnen grenzen andere Auffassungen, Kulturen und Hautfarben immer mehr aus. Das ist ein großes Problem, dass nicht ignoriert werden soll. Doch die positiven Tendenzen werden bei der medialen Konzentration auf die negativen Meldungen in den USA schnell übersehen oder sogar ausgeblendet.

Bemerkenswert sind jedoch die Innovationen amerikanischer Unternehmen und das Engagement der NGOs. Einige möchte ich hier erwähnen und verlinken, so dass Sie sich das genauer anschauen können. Für meinen Geschmack war das Unternehmen Tesla, der erste Automobilhersteller, der effiziente Elektromobilität mit Ansehnlichkeit vereinte. Die Modelle europäischer Hersteller sahen eher so aus, als würde man die Kunden mit einem unansehnlichen PKW brandmarken wollen. Bemerkenswerte Arbeit in der Aufklärung zum Klimawandel leistet die NGOs ‚350.org’, Citizsens’ Climate Lobby oder Our Childrens Trust, eine NGO, die Kindern hilft den Klimaschutz einzuklagen und sich dabei auf Artikel 3 der UN Menschenrechtskonventionen bezieht.

‚Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.’

Wie verhält sich nun die US-Amerikanische Finanzindustrie? Je nach Bundesstaat spielt Nachhaltigkeit in bei US-Versicherern eine unterschiedliche Rolle. Interessanter Weise unterliegen sie nicht der Regierung in Washington. Die zusätzliche Bürokratie verschlingt jährlich ca. 13 Mrd. USD. Da die Definition von Nachhaltigkeit auch wirtschaftliche Effizienz beinhaltet, erhalten wir hier bereits einen ersten Eindruck. Wann agiert eine Versicherungsgesellschaft eigentlich nachhaltig? Folgende Kriterien sollten als Maßstab gelten.
(1) Die Kapitalanlagen unterstützen nur Investments, die nachhaltig sind.
(2) Nur solche Firmen werden versichert, die nachhaltig agieren.
(3) Die Versicherung selbst wirtschaftet nachhaltig (d.h. ökologisch tragfähig, sozial verantwortlich und wirtschaftlich effizient).
(4) Kunden werden durch Anreize motiviert, nachhaltig zu handeln und wirtschaften.
(5) Ein Nachhaltigkeitsreport offenbart letztlich und regelmäßig die Wirtschaftsweise der Firma.

‚The Heartford’ hat sich als einzige große US-geführte Versicherung deutlich gegen Trump ́s Klimapolitik geäußert. In der Unabhängigkeit der Bundesstaaten könnte die Lösung des Problems liegen. Der kalifornische Versicherungsbeauftragte, Dave Jones, empfahl allen kalifornischen Versicherern, aus Kohle-Investments auszusteigen. Er verpflichtete die kalifornischen Versicherer, ihre kohlenstoffhaltigen Investitionen jährlich zu veröffentlichen. Die kalifornischen Versicherer verwalten mehr als 260 Mrd. USD und sind damit der sechstgrößte Versicherungsmarkt der Welt! Er begründete seine Entscheidung damit, dass die US-amerikanische Kohleindustrie in den vorangegangenen 5 Jahren mehr als 76 % ihres Wertes verlor.  So seien Investitionen in die Kohleindustrie unsicher und verantwortungslos.

Führende US-Versicherer sind engagierte Investoren in fossilen Brennstoffen sowie in Elektro- und Gasversorger. Insgesamt beliefen sich deren Investitionen im Jahr 2014 auf 459 Mrd. USD. Das entspricht der Gesamtwirtschaftsleistung Norwegens.

So gibt es bisher noch keine einzige US-amerikanische Versicherungsgesellschaft, die sich allen Kriterien der Nachhaltigkeit unterworfen hätte. Das gilt leider auch für deutsche Versicherungsgesellschaften.

Das geringe Interesse der US-Versicherer ist erstaunlich, wenn man sich die Bilder der Naturkatastrophen der vergangenen Jahre noch einmal vergegenwärtigt. Allein zwischen 1990 und 2013 entstanden allein 260 Mrd. USD Schäden durch Überschwemmungen. Der einzige US-Versicherer für Hochwasserschäden ‚NFIP’ ist mit 5 Mio. versicherten Haushalten mit über 20 Mrd. USD verschuldet.

Die US-amerikanische Versicherungswirtschaft verwaltet mehr als 1.5 Trillionen USD. Das ist ein Geldbetrag mit sehr vielen Nullen und für einen Menschen vermutlich schwer erfassbar. Nur wenige dieser Versicherer zeigen ein solides Verständnis des Klimawandels und haben begonnen, umfassende Strategien bei einzelnen Branchen zu entwickeln und umzusetzen. Nennenswert sind allein The Heartford, MetLife und Cigna Health Group mit bemerkenswerten Bemühungen.

Europäische Versicherer sind deutlich engagierter. Die größten Bemühungen sehen wir in Großbritannien bei Aviva. In Frankreich bei der Axa und in Deutschland bei der Allianz. Allerdings mangelt es an Produkten für Kunden. Es gibt sie aber. Insgesamt schnitten die europäischen Versicherer im Vergleich am besten ab. Asiatische Versicherer sind hier leider noch nicht sehr aktiv, wobei Tokio Marine Holdings die Ausnahme bildet.

Zusammenfassend darf man feststellen, dass europäische Versicherer die größten Bemühungen bei der Bekämpfung der Klimakrise unternehmen. Abschließend möchte ich Ihnen die Reaktion europäischer Versicherer auf die Entscheidung des US-Präsidenten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, zeigen. So machen die Bemühungen europäischer Versicherer Mut und wir dürfen annehmen, dass ihnen amerikanische und asiatische Versicherer in Kürze folgen dürften. Schließlich werden die Menschen in den USA, China und Indien viel mehr unter den Folgen des Klimawandels leiden, als wir.

Tweets verschiedener Versicherungsgesellschaften als Antwort auf Trump ́s Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Quelle: Max Messervy, Ceres

Ein Beitrag von Gorden Isler