Gibt es Gewinner, wenn Frauen verlieren?

Gibt es Gewinner, wenn Frauen verlieren?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Frauen verdienen im Leben nur halb so viel wie Männer. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung. Was bedeutet das für Frauen?

Die Studie „Wer gewinnt? Wer verliert?“ leistet einen Beitrag zu dem jüngsten Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Finanzen zur Beurteilung der Einkommensungleichheit und der sozialen Mobilität, das besagt, dass für die soziale Teilhabe nicht die Erwerbseinkommen in einem bestimmten Jahr, sondern jene über den gesamten Lebenszyklus maßgeblich seien.

Eine der zentralen Fragen der dreiteiligen Bertelsmann Studie lautet „Wieviel können sich Individuen im Lauf des Lebens erarbeiten?“ Um eine Antwort auf diese komplexe Frage zu finden, untersuchte das Forscherteam um den Ökonomen Timm Bönke von der Freien Universität (FU) Berlin und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin für Deutschland die Lebenseinkommen von zwischen 1964 und 1985 geborenen Männern und Frauen und ermittelten die Gewinner und Verlierer des strukturellen Wandels auf dem Arbeitsmarkt hinsichtlich verschiedener Dimensionen.

Die Veränderungen am Arbeitsmarkt der letzten Jahrzehnte in Deutschland gehen auf globale Entwicklungen wie den technologischen Fortschritt und die Globalisierung zurück als auch auf strukturelle Änderungen wie die zunehmende Deregulierung von Beschäftigungsverhältnissen.

Wer gewinnt, wer verliert im Laufe des Lebens?

Im Durchschnitt beträgt das Lebenseinkommen von Frauen nur etwas mehr als die Hälfte im Vergleich zu dem von Männern. Bei den zwischen 1964 und 1985 Geborenen beträgt in Westdeutschland der Gender Lifetime Earning Gap 60 %, in Ostdeutschland 48 % – zum Nachteil der Frauen. Die Einkommen von kinderlosen 1985 geborenen Frauen im Westen näherten sich denen der Männern bis auf 13 % an, die der Frauen in Ostdeutschland, die ab 1975 geboren wurden, bis auf 3 %. Die Forscher vermuten, dass diese Annäherung auch an den vergleichsweise geringeren Einkommen von jüngeren Männern liegen könnte. Kinder wirken sich auf das Lebenseinkommen von Müttern deutlich aus, während bei den Vätern so gut wie keine Auswirkung festzustellen ist. Hierbei sind keine Unterschiede zwischen Müttern älterer und jüngerer Jahrgänge festzustellen. Im Gesamtergebnis sind westdeutsche Frauen, ob mit oder ohne Kinder, am meisten benachteiligt.

Warum ist das so?

Die Untersuchungen zeigen, dass sowohl das Qualifikationsniveau eine Rolle beim Lebenserwerbseinkommen spielt, als auch Kinder, die sich bei Frauen ebenso entscheidend auswirken. Rund die Hälfte der Einkommenslücke wird mit dem Arbeitsumfang und den Zeiten am Arbeitsmarkt erklärt und geht auf Teilzeitarbeit von Frauen zurück. Als Gründe nennt die Studie Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen. Offen bleibt, inwieweit Berufswahl, Berufserfahrung und Diskriminierung für das Ausmaß der Lücke eine Rolle spielen.

Die Folgen in konkreten Zahlen

Eine Lücke in den Bruttostundenlöhnen von Männern und Frauen hat weitreichende Folgen, denn die in einem einzigen Jahr beobachteten Unterschiede in den Einkommen akkumulieren sich über das ganze Leben. Für Gesamtdeutschland bedeutet dies für zwischen 1981 und 1985 geborene Frauen eine Einkommenseinbuße gegenüber Männern von 55 %. Am Beispiel der 1982 geborenen Frauen wird das besonders deutlich: Das Lebenseinkommen von ostdeutschen Frauen liegt 450.000 Euro, das von westdeutschen Frauen gar 670.000 Euro unter dem von Männern.

Die Forscher fordern die politischen Akteure zum Handeln auf.

Die Befunde weisen auf politischer Ebene unterschiedliche Akteure aus und die Forscher fordern dazu auf, Familien- und Arbeitsmarktpolitik enger zu verzahnen sowie den Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung und – wie es in der Studie heißt – den „guten Ganztag für Grundschulkinder“ voranzutreiben. Es bedürfe auch eines nötigen kulturellen Wandels, in dem rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen eine ausgeglichenere Aufteilung der Sorge-Arbeit zwischen den Geschlechtern ermögliche. Dazu zählten beispielsweise Arbeitsanreize für Mütter und eine Reduzierung der Arbeitszeit von Vätern. Reformpotenzial bestehe hierzu insbesondere im derzeitigen Steuer-, Abgaben- und Transfersystem. Beispielsweise schaffe das Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Familienversicherung Fehlanreize hinsichtlich der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit von Frauen.

Was tun?

 

Kann es einer Gesellschaft auf Dauer dienlich sein, wenn Frauen, allen voran Mütter, als Erwerbstätige finanziell den Kürzen ziehen? Am Ende werden solche strukturellen Defizite zulasten der Solidargemeinschaft gehen. Deshalb sind beide Seiten gefordert. Wie die Forscher fordern, sollten Frauen mehr Anreize für Vollzeitarbeit geboten werden. Dafür verlangen sie von Männern die Reduzierung derer Arbeitszeit. Die Ergebnisse der Studie bedeuten aber auch, dass die private Vorsorge immer unabdinglicher wird. Machbar wird sie mit Finanzierungsmodellen, die sich den aktuellen Lebensumständen anpassen. Unsere Partnerinnen Helene Bosmann, Beate Glamann und Andrea-Christiane Göbel kennen aus eigener Erfahrung die Veränderungen im Leben ebenso wie finanzielle Herausforderungen, die auf Frauen und auf ihre Familien zukommen. Sie beraten mit Empathie und finden gemeinsam mit unseren Kunden unter Einbeziehung der konkreten Lebenssituation zu vorausschauenden und machbaren Lösungen.

 

Autorin: Iris Hüttner

„Wir Frauen müssen uns klarmachen, dass wir ein höheres Armutsrisiko haben, als Männer. Als Mütter, Krankenschwestern, Pflegerinnen und Kindergärtnerinnen leisten Frauen aber einen unglaublichen Anteil am Fundament unserer Gesellschaft. Darüber müssen wir mit den Männern reden.“

Beate Glamann

Partnerin

Wir helfen Ihnen gern dabei. Schreiben Sie uns.

3 + 4 =