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2017 war für fairvendo ein erfolgreiches Jahr, und das nicht nur gemessen am Umsatz. Auch sonst hat sich jede Menge getan: Wir konnten viele neue Kunden gewinnen und offenbar auch überzeugen. Es gibt jetzt eine Auszubildende, die sich als echte Bereicherung erweist (und sogar langweiliges Zeug wie Ablage ohne Murren wegarbeitet). Und ein Newsletter sowie das Blog informieren jetzt unsere Kunden über das, was uns beschäftigt. Dabei fiel in letzter Zeit häufiger der Begriff der Nachhaltigkeit. Gorden Isler, Gründer und Geschäftsführer von fairvendo, erklärt im Interview, was es damit auf sich hat.

Warum ist bei fairvendo auf einmal so viel von Nachhaltigkeit die Rede?

Weil das ein Thema ist, das uns alle betrifft. Seit ich eine Tochter habe, sehe ich mich noch stärker in der Verantwortung dafür, dass sie und alle anderen Kinder auf einem dauerhaft lebenswerten Planeten wohnen können. Sprich: Ich muss dafür sorgen, dass ich nicht gegen ihre Interessen handle. Und dabei geht es nicht nur um meine Entscheidungen als Privatperson, sondern auch und gerade darum, wie unsere Branche wirtschaftet.

Die Versicherungswirtschaft verwaltet treuhänderisch 1,5 Billionen Euro für ihre Kunden. Wie das Geld investiert wird, entscheiden die Versicherungsunternehmen allein. Es kann also durchaus sein, dass man sich für den Klimaschutz engagiert, aber das eigene Geld fließt in Kohle und Atomstrom. Oder man wünscht sich eine friedliche Welt, finanziert aber über die Altersvorsorge Waffenfirmen.

Wir wollen mit dafür sorgen, dass das Geld unserer Kundinnen und Kunden nicht gegen ihre persönlichen Werte arbeitet. Die Frage ist natürlich: Wie kriegt man das raus? Solche Themen werden uns 2018 verstärkt beschäftigen.

Gab es eine Initialzündung für dein Interesse an Nachhaltigkeit?

In der Vergangenheit habe ich mich vor allem auf Menschenrechte und Entwicklungszusammenarbeit konzentriert. Das Thema treibt uns bei fairvendo ja schon lange um: Fast alle Kolleginnen und Kollegen engagieren sich in dem Verein „Hamburger mit Herz“, in dem ich Vorsitzender bin. Aber im Lauf der Jahre wurde mir eins immer klarer: Bei allem Engagement für Menschen in ärmeren Ländern kann ich die Augen nicht davor verschließen, dass sie der Klimawandel am härtesten trifft. Und die Verursacher sind wir.

Ich habe in diesem Jahr bei zwei Rettungseinsätzen des Schiffs Sea-Eye mitgemacht und vor der libyschen Küste überfüllte Flüchtlingsboote aus Seenot gerettet. Da habe ich am eigenen Leib erfahren, dass es nicht egal ist, wie unser Geld arbeitet und ob es anderen die Lebensgrundlage nimmt. Ich konnte es in den Augen der Menschen sehen, die mir ihre Kinder über den Rand des Schlauchboots hinweg entgegengestreckt haben.

Welche Konsequenzen hast du für dich gezogen?

Ich habe in diesem Jahr eine Fortbildung zum ESG-Berater gemacht. ESG steht für Environmental Social Governance, und es geht dabei um nachhaltige Unternehmensführung. Das hat bei mir das Bewusstsein für einen Aspekt geweckt, den ich bislang eher vernachlässigt hatte: die ökologische Seite.

Dabei hat schon 2015 der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, den Klimawandel als „Tragödie am Horizont“ bezeichnet, und zwar in einer Rede vor britischen Versicherern. Das heißt, das Thema ist längst auch in der Finanzwelt angekommen – auch da glaubt niemand mehr, dass es nur ein paar Spinner sind, die sich darum einen Kopf machen!

Bei dieser Fortbildung ist mir jedenfalls klargeworden, dass ich mit fairvendo Teil der Lösung sein kann, nicht nur Teil des Problems. Außerdem habe ich da andere Unternehmen kennengelernt, die uns deutlich voraus sind und bei denen wir uns alles Mögliche abgucken können.

Wie wollt ihr denn bei fairvendo in Zukunft das Thema Nachhaltigkeit umsetzen?

Wir haben uns vorgenommen, innerhalb der nächsten drei Jahre zu Experten in Sachen nachhaltige Geldanlage und nachhaltige Versicherungen zu werden. Schon im November haben wir dazu einen mehrtägigen internen Workshop mit der GLS Gemeinschaftsbank gemacht, die ja ausschließlich in ökologische und soziale Unternehmen und Projekte investiert. Der hat uns alle noch mal unheimlich motiviert.

Drei Kollegen haben sich inzwischen auch zu der Fortbildung zum ESG-Berater angemeldet, und wir bekommen im Februar Verstärkung durch eine Relationship-Managerin, die für uns Events veranstalten soll. Denn was wir über nachhaltige Finanzen lernen, das wollen wir auch an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben.

Parallel gucken wir die Ökobilanz unserer Büros an, vom Papier bis zum Druckertoner, und stellen im Zweifel auf umweltfreundlichere Alternativen um. Außerdem kann man sich aus den Nachhaltigkeitsberichten der Lieferanten zusätzliche Ideen abholen.

Übrigens gab es gerade einen unverhofften Aha-Effekt: Wir haben Stellenanzeigen für neue Beratungskolleginnen und -kollegen geschaltet, bei denen wir explizit geschrieben haben, dass sie auch zu Nachhaltigkeit beraten sollen. Und die Resonanz ist deutlich höher, als sie es bisher bei „normalen“ Anzeigen war.

Wir merken also: Wir sind nicht alleine auf der Reise.